René Weiler wurde in den ersten Wochen nie müde zu betonen, dass es Zeit brauche, bis die Mannschaft sich finde. Er wolle ja mit einer Stammelf spielen, aber die müsse sich eben erst finden. Auf dem Betzenberg wirkte es über weite Strecken so, als habe man sich gefunden. Es spielte zu Beginn die identische Aufstellung wie beim Sieg gegen Sandhausen. Sie spielte auch von der Idee her ähnlich: Wach, flach und effizient. Natürlich half der Gegner in Person von Patrick Ziegler, der früh zu Recht vom Platz flog, das schmälert aber keinesfalls die Leistung des FCN, der gerade in der zweiten Halbzeit einige Male sogar spielerische Klasse aufblitzen ließ.

Rundherum zufrieden hätte man sein können mit dem 1. FC Nürnberg: Spielerisch stark verbessert, ohne Gegentor geblieben, den Gegner über 90 Minuten dominiert und das Runde zweimal im Eckigen versenkt. Doch ein anderes Rundes, das man durch etwas Eckiges hätte ersetzen können, blieb. Statt auf den (runden) Aufnäher der BILD-Zeitung komplett zu verzichten und stattdessen den üblichen (eckigen) Aufnäher zu verwenden, schwärzte man das Logo der Zeitung und lief dennoch mit dem Aufnäher der Aktion jener Zeitung auf. Hätte die Mannschaft gegen Sandhausen so inkonsequent gespielt, wie der Verein hier agierte, man hätte sicherlich nicht gewonnen.

Verpfiffen? Ja! Schlecht gespielt? Ja! Zwischen diesen beiden Polen oszilliert die Gefühlswelt des FCN-Fans nach der sehr späten, irgendwie aber nicht völlig unverdienten, Niederlage im 259. Derby. Es ist völlig unstrittig, dass der FCN vom Schiedsrichtergespann mit seinen Entscheidungen vor dem 1:1 und 2:1 extrem benachteiligte. Ebenso ist es aber auch unstrittig, dass der FCN über weite Strecken des Spiels die unterlegene Mannschaft war. Eine Betrachtung des Spiels hängt also irgendwo zwischen Frustration über die Unparteiischen, deren Pfiffe so gar nicht unparteiisch waren und Frustration über die Mannschaft, die so gar nicht als Mannschaft auftrat. .

Zwetligafußball steht ja selten in dem Verdacht ein sportlicher Leckerbissen zu sein. Physis und Kampfeswillen zählen meist mehr als taktische Finesse und dass man selbst mit einfachsten Mitteln aufsteigen kann, bewiesen unlängst die Darmstädter. So gesehen war der knappe Erfolg des FCN gegen Düsseldorf eben genau eines jener typischen Zweiligaspiele. Bei brütender Hitze wurde sich beherzt in die Zweikämpfe geworfen, rustikal dazwischen gegangen und selten Fußball gespielt. Dass der Club ein solches Spiel gewinnt, spricht für ihn, dass er so spielen muss nicht.

Es war ein bisschen wie den Ex-Partner mit einer neuen Liebschaft zu sehen, während man selbst noch an der Trennung kaut: „Mensch, das könnte ich sein.“ Glücklich, zufrieden, irgendwie gutaussehend Der derartige Gedanke dürfte vielen Nürnberger Fans am Sonntag durch den Kopf gegangen sein. Denn im Ruhrstadion bekam man einen Aufsteiger zu Gesicht. Zumindest wenn es nach Organisation, Passsicherheit und Raumaufteilung geht. Dieser Aufsteiger wurde von Gertjan Verbeek trainiert, war aber eben nicht der FCN, sondern der Gastgeber aus Bochum.