In den Kommentaren zur Bundesligasaison wurde immer von 104 Tagen Pause gesprochen, 104 Tage ohne Bundesliga, 104 Tage ohne Meisterschaftsrennen, 104 Tage ohne Abstiegskampf. Völlig vernachlässigt wurde in dieser Rechnung, dass ein Bundesligist nicht 104, sondern nur 97 Tage seit seinem letzten Spiel, das über den Ligaverbleib entschied, nicht mehr in Aktion in Sachen Bundesliga war. Schließlich hatte der FCN erst mit Nachprüfung das Klassenziel erreicht und am ersten Spieltag stellte sich daher die Frage, wie sich der Beinaheabsteiger in der neuen Spielzeit präsentiert. Nach den 90 Minuten in Gladbach war kein definitives Urteil zu fällen. Positiver als von vielen - auch nach dem Spiel in Trier - befürchtet präsentierte sich die Mannschaft allemal.

 

 

Es gibt ein Land, das gibt es eigentlich gar nicht. Es ist ein Zwischenreich, gelegen eingekeilt zwischen Erster und Zweiter Liga. Seine Bewohner sind Wanderer zwischen den Welten, nie ganz erstklassig, nie ganz zweitklassig. Es heißt Relegationien. Sein Herrscher - ungeschlagen, unbezwungen - ist der 1. FC Nürnberg. Jener 1. FC Nürnberg, der durch seine beiden Siege über den FC Augsburg in Verbindung mit seiner Erstligasaison klar machte: Für die Erste Liga sind wir eigentlich zu schwach, aber für die Zweite Liga definitiv zu stark.

 


Letzte Spieltage mit dem FCN bieten oftmals Drama, Feuer und Tragödie. Auch in diesem Jahr war alles dafür angerichtet, zum elften Mal in 28 Jahren Bundesliga stand am letzten Spieltag noch nicht fest, in welcher Spielklasse der Glubb in der nächsten Saison antritt. Zum ersten Mal steht es auch nach dem letzten Spieltag nicht fest. Denn anstelle von Drama, Feuer und Tragödie zu bieten, war das Spiel gegen den 1. FC Köln eine Ausgeburt der Langeweile. Erst vor Angst gelähmt, dann vom Ergebnis in Bochum ernüchtert, so schienen die Spieler des FCN aufzutreten. Am Ende stand zwar der 300. Sieg als Bundesligist, doch der Auftritt legt dennoch nahe, dass es längere Zeit dauern dürfte bis der 301. hinzukommt.

 

 


Seit fast zwei Jahren nun finden sich an nahezu jedem Wochenende hier Spielberichte; immer in der Bemühung die Emotionen soweit es geht hinten anzustellen und trotz aller Freude oder Enttäuschung die Gründe für Erfolg und Misserfolg darzustellen. Das Wort „Ich“ dürfte in diesen zwei Jahren kaum gefallen sein. Doch nach dem 0:4 in Hamburg ist es mit Neutralität und dritter Person vorbei: Ich bin entsetzt, ich bin sauer, ich bin frustriert. Ich frage mich: Wie kann man so dermaßen blutleer und völlig ohne erkennbaren Willen auftreten?