Müht sich eine auf dem Papier stärkere Mannschaft über weite Strecken gegen einen nominell schwächeren Gegner, um am Ende doch zu gewinnen, so beschreibt man dies oft mit den Worten „im Stile einer Spitzenmannschaft“. Um dem FCN das Attribut Spitzenmannschaft zuzuschreiben, hätte es das Spiel in Sandhausen, das genau nach obigem Muster ablief, sicher nicht bedurft – ein Blick auf die Tabelle hätte genügt – es unterstrich aber durchaus eindrucksvoll, auf welcher Welle der Club in diesen Tagen schwimmt. 14 Spiele ohne Niederlage sprechen eine deutliche Sprache.

2651 Tage. Das sind fast 370 Wochen oder circa 63629 Stunden. So lange musste der FCN auf einen Derbysieg gegen den kleinen Nachbarn aus Fürth warten. Und wer sich erinnerte, der hatte fast ein wenig das Gefühl von Deja Vu: War der letzte Derbysieg nicht auch nach einem Rückstand erreicht worden? Nach einem späten Siegtor eines Ex-Fürthers? Mit Raphael Schäfer im Tor? Da soll einer sagen, dass Wiederholungen langweilig sind.

Der Spruch, dass Wein mit dem Alter besser wird, erweist sich bei näherer Betrachtung nicht als allgemeingültig. Auf Raphael Schäfer aber scheint er zuzutreffen. Mit 37 Jahren liefert der Torwart seit Wochen konstant gute Leistungen ab. Am Samstagnachmittag in München steigerte er sich noch einmal und lieferte eine Leistung ab, die nur mit dem Attribut Weltklasse zu beschreiben ist. Dass die Gastgeber nicht trafen lag fast ausschließlich am ältesten Club-Spieler; dass sie das Spiel verloren, am Traumtor des jüngsten Club-Spielers. Patrick Erras schlenzte den Ball aus achtzehn Metern in den Winkel und der Club blieb damit auch im zehnten Spiel mit Erras auf dem Feld unbesiegt.

Wäre der Club in diesen Tagen eine einzelne Person, es würde einem bei der Begegnung womöglich ein leichtes Frösteln durchziehen. Momentan ist niemand so eiskalt wie der FCN. Auch im letzten Spiel des Kalenderjahres 2015 in Heidenheim war der Club wieder enorm effizient vor dem gegnerischen Tor und ließ den Gastgebern in der Endabrechnung keine Chance. Effizienz und Eiseskälte, die sich niederschlagen: Neun Ligaspiele ungeschlagen, fünf Siege in Folge. Von Rang Zehn ist der FCN geklettert und beendet das Jahr auf Rang Drei, dem besten Tabellenplatz seit dem Abstieg 2014.

Völlig unspektakulär war er, der Pokalabend in Nürnberg. Der Erstligist tat das, was man von ihm erwartete, er gewann. Der Zweitligist tat ebenso, was man erwartete, indem er aufopferungsvoll kämpfte, aber letztlich an der eigenen Limitiertheit scheiterte. So wunderte es nicht, dass am Ende beide Kurven ihre Mannschaften feierten. Die einen fürs Weiterkommen, die anderen für das Bemühen. Ein Bemühen, dass sich in 60% gewonnen Zweikämpfen manifestierte, das aber eben deutlich zu wenig war, um weiterzukommen.