Für ein Fußballspiel ist es nie ein besonders gutes Zeichen, wenn mehr über Akteure gesprochen wird, die abwesend sind, als über jene auf dem Platz. Für die Niederlage des FCN gegen Kaiserslautern gilt dies in besonderem Maße. Als spielentscheidend wurde die Abwesenheit von gleich drei Stammkräften in der Verteidigung ausgemacht. Doch am Ende war es nicht die unter der Woche lang debattierte Abwesenheit Javier Pinolas, die als Gesprächsthema Nummer Eins im Raum stand, obwohl sein Vertreter Pascal Bieler wahrlich keine Glanzleistung bot. Vielmehr war die kurzfristig eingetretene Abwesenheit von Juri Judt Diskussionsgrundlage vieler Gespräche. Sein Vertreter Dario Vidosic, einst als Außenstürmer verpflichtet, war mit der defensiven Rolle so überfordert, dass er binnen fünfzehn Minuten das Spiel entschied.

 

 

 

Es wäre falsch dem Australier die Alleinschuld an der Niederlage zu geben, dafür reagierten die restlichen zehn Mann auf dem Feld ebenso schwach wie kraftlos. Jedoch kommt man nicht umhin deutlich zu machen, dass der 23-jährige zu keinem Zeitpunkt mit der Position des Rechtsverteidigers klar kam. Bemerkbar war dies schon in der ersten Minute als er sich innerhalb eines Angriffs nicht ein-, nicht zwei-, sondern dreimal vom gleichen Spieler mit einer einfachen Körpertäuschung austanzen ließ. Dreimal war sein Körperschwerpunkt völlig falsch gewählt, die richtige Positionierung zum Defensivzweikampf nicht gefunden. Da dies so früh, derart eklatant auffiel und es bereits nach zwölf Minuten 0:2 stand, muss sich jedoch auch Trainer Dieter Hecking hinterfragen.

 

Woher stammt die Idee den schmächtigen Flügelflitzer als Rechtsverteidiger aufzubieten? Wieso reagiert man nicht nach den ersten offensichtlichen Anzeichen einer Überforderung? Warum tauscht man Vidosic nicht einfach mit Hegeler und nutzt so Vidosic' Schnelligkeit in der Vorwärtsbewegung? Weshalb folgt die Auswechslung erst nach 40 Minuten und beim Stand von 0:3? Kennt Hecking die eigenen Spieler zu wenig, als dass er erst Maroh fünf Minuten lang Außenverteidiger spielen lässt, um dann die Maßnahme zu revidieren und Wolf und Maroh zu tauschen?

 

Dank der völligen Konfusion in der Hintermannschaft, zu der natürlich nicht nur Vidosic, sondern auch die restlichen vier beitrugen, war das Spiel zur Halbzeit eigentlich schon außer Reichweite des FCN. Dass viel mehr möglich gewesen wäre, zeigte die zweite Halbzeit, als dann plötzlich die Schwächen der Kaiserslauterer offengelegt wurden. Plötzlich wurde der Ball schnell und direkt nach vorne gespielt. Besonders hervor, tat sich dabei Bundesligadebütant Philipp Wollscheid, der das stete Ballverschiebe in der Abwehr mehrmals durch gezielte Pässe nach vorne beendete. So kann das erste Bundesligaspiel des 21-jährigen als gelungen gelten, auch wenn er defensiv noch einige kleine Stellungsfehler beginn.

 

Zwei andere Debüts waren dann die Eckpunkte der Hoffnung auf ein Wunder. Robert Maks erstes Bundesligator nach exzellentem Sololauf ließ leichte Hoffnung aufkeimen. Andy Wolfs erster Bundesligaelfmeter erstickte sie dann endgültig. Dazwischen lagen viel Drang, aber wenig gezieltes, ein Aufbäumen, aber kein großes, viel Ballbesitz, aber kaum Torchancen. Da half es am Ende auch nichts, dass Lautern zehn Minuten lang nur zu zehnt agieren musste, nachdem Petsos wegen eines Schlags in Wolfs Gesicht vom Platz flog. Hätte jener Wolf vier Minuten später nicht seinen Elfmeter aus dem DFB-Pokal 2003/04 wiederholt, sondern den Ball unter statt an die Querlatte getreten, es wäre eine heiße Schlussphase geworden.

 

So aber steht am Ende eine deutliche und verdiente Niederlage, die einer desaströsen ersten Halbzeit geschuldet war, aber auch geringer Organisation über das gesamte Spiel. Es bleibt zu hoffen, dass die sechs Gegentore in zwei Spielen der Mannschaft keinen Knacks ins Selbstbewusstsein geben, ansonsten droht eine Serie wie beim letzten Mal als das Sportgericht einen FCN-Spieler per Videobeweis sperrte. In Raphael Schäfers Abwesenheit holten die Anwesenden vergangene Saison keinen einzigen Punkt.