21.10.1967 – Dank Toren von Schütz, Ferschl, Brungs und Volkert gewinnt der 1. FC Nürnberg souverän mit 4:0 gegen die gastgebenden Bremer. Die Franken festigen am 10. Spieltag ihre Tabellenführung, die sie seit dem 5. Spieltag innehaben und in der gesamten Saison nicht mehr hergeben werden. Am Ende steht die neunte Meisterschaft für den deutschen Rekordmeister. 16.5.1992 – 25 Jahre nach dem ersten Sieg im Weserstadion gewinnt der FCN zum zweiten Mal auswärts gegen Werder, ein Dreierpack von André Golke kehrt die Halbzeitführung der Gastgeber in ein 1:3. Die Saison ist nach dem Spieltag beendet, der Glubb wird Siebter, der FC Bayern Zehnter. Es ist das letzte Mal, dass die Franken vor den Münchnern stehen. 21.8.1998 – Der Glubb gewinnt gleich das erste Auswärtsspiel der Saison. An der Weser trifft Kuka zweimal und Ciric einmal, so dass es bei Schlusspfiff 3:2 steht. Am Saisonende herrscht Entsetzen an der Noris, der FCN ist am letzten Spieltag von Platz 12 auf Platz 16 abgerutscht, muss nach dem dramatischsten Abstiegsfinale aller Zeiten in die Zweitklassigkeit. 30.10.2010 – Erst zum vierten Mal in der Geschichte der Bundesliga gewinnt der 1. FC Nürnberg in Bremen. Eine besondere Saison scheint historisch garantiert.

 


Besonders war der Sieg in Bremen auf jeden Fall auch auf Grund der Art wie er zustande kam. Eine halbe Stunde lang fand der FCN nicht statt; ließ sich von den Gastgebern schwindlig spielen und kam überhaupt nicht ins Spiel. Gleich mit der ersten gefährlichen Aktion des Spiels war Werder in Führung gegangen. Juri Judt hatte es geschafft zweimal in einem Angriff zu tief zu stehen und so das Abseits aufzuheben und um die Fehlerkette zu krönen, rückte er dann auch bei Marins Flanke falsch ein, dorthin, wo mit Nilsson schon ein Verteidiger stand. So stand aber Bremens Almeida frei und köpfte den Ball ins Netz. Zwischen diesem Tor und Bremens zweitem Tor, erneut von einem Laufwegsfehler von Judt gegen Almeida begünstigt, lagen 87 Minuten und drei Nürnberger Treffer.

Dass keine weiteren Bremer Treffer dazwischen fielen, lag zu gleichen Teilen an mangelnder Chancenauswertung, einem wachen und reflexstarken Raphael Schäfer sowie einer – ab dem Scheitelpunkt der Bremer Angriffe um die 25. Minute – von Augenblick zu Augenblick stärker werdenden Defensive. Denn ab dem Moment da der Bremer Aushilfsverteidiger Wesley den Ball genau in die Beine von Almog Cohen abwehrte und dieser Ilkay Gündogan bediente, war der Glubb offensiv ebenbürtig und Bremen zusehends ratloser. Der FCN merkte, dass die so furios stürmenden Bremer in der Defensive alles andere als furios agierten und gewann immer mehr Selbstvertrauen und damit auch spielerisches Oberwasser.

Dass dabei im Spielaufbau immer noch manches zu hektisch und unkonzentriert ablief, spielt in der Nachbetrachtung keine große Rolle. Der Gegner wusste mit den gewonnen Bällen von Minute zu Minute weniger anzufangen und verfiel mit jedem Gegentor mehr in Panik. Panik, die begann als Julian Schieber mit dem Halbzeitpfiff einen Einwurf von Juri Judt Sebastian Prödl durch einfaches Balldurchlassen und Hinterherlaufen überforderte und Ilkay Gündogan präzise bedient. Panik, die sich verstärkte, als der gleiche Schieber kurz nach der Pause an Mielitz scheiterte, Mehmet Ekici aber den Abpraller im Tor versenken konnte. Panik, die unüberwindlich wurde als Ekici zehn Minuten später völlig frei zum Kopfball kam und nur an Mielitz und der eigenen Körpergröße scheiterte.

Binnen dieser 15 Spielminuten ging den Bremern nicht nur die komplette Ordnung verloren, ihr Trainer Schaaf verstärkte das Chaos auch noch durch kopflose Auswechslungen. Die durch die defensiven Umstellungen entstandenen Probleme wusste der FCN routiniert und abgezockt auszunutzen. Schieber und Frantz kamen auf Grund dieser Qualitäten schon zu guten Torchancen und zwanzig Minuten vor Schluss war es dann Ilkay Gündogan vorbehalten das Spiel zu entscheiden. Der 20-jährige hämmerte den Ball nach technisch versiertem Solo an die Latte, Julian Schieber setzte den Abpraller volley an den Pfosten ehe wiederum Gündogan den erneut zurückprallenden Ball vom Wadenbein Frings' abprallend im Tor unterbrachte.

Das Tor stand symptomatisch für den Nachmittag. Der FCN hatte das nötige Glück, aber auch den nötigen Durchsetzungswillen und Kampfgeist auch um den zweiten und dritten Abpraller zu ringen. Bremen hingegen war zu passiv und hatte dann auch noch Pech, allerdings keineswegs unverdientes Pech. So wie der FCN in der zweiten Halbzeit agil, zielstrebig und schnell nach vorne spielte, nutzte er die Probleme des Gegners gekonnt aus.

Der Erfolg fußte aber nicht nur auf dem flüssigen, direkten, gefährlichen Angriffsspiel, sondern auch auf einer Defensive, die erneut vor allem in der Zentrale sicher und aufmerksam zu Werke ging. Die Gastgeber kamen nach dem Seitenwechsel kaum zu Tormöglichkeiten, ihre Bemühungen das Spiel aufzubauen würden von Cohen/Hegeler und Simons meist schnell erstickt. Wolf und Nilsson bildeten darüber hinaus ein effektives, weil kompromissloses Luftabfanggeschwader, das nahezu alle hohen Bälle der Bremer sofort wieder dorthin beförderten, wo sie her kamen. So sich dies nicht als Einzelfall erweisen sollte, wäre auch hier deutlich, dass man an den noch vorhandenen Schwächen arbeitet und versucht diese auszumerzen.

Überhaupt wirkt die Mannschaft in diesen Wochen willig an sich zu arbeiten, macht selten in zwei Spielen in Folge die gleichen defensiv-taktischen Fehler und zeigt auch offensiv eine deutliche Weiterentwicklung. Die Mannschaft weiß nun, wie sie die Körperlichkeit von Julian Schieber richtig einsetzen kann und auch Ekici und Gündogan spielen zielstrebiger und torgefährlicher als noch vor wenigen Wochen. Ein Kompliment ist daher angebracht, womöglich endet ja auch diese einen Sieg in Bremen beinhaltende Saison mit unvergesslichen Momenten. Es muss ja nicht gleich der Meistertitel sein.