Die Natur der Relegation hat es an sich, dass nach 90 Minuten meist keine Entscheidung gefallen ist. Ausnahmen – wie 2009 – gibt es, sie sind aber eben das: Ausnahmen. Das Spiel am Donnerstagabend in Frankfurt war keine solche Ausnahme. Es war vielmehr die Bestätigung eines Trends. Es war das fünfte Relegationsspiel in Folge, das nach Ende der 90 Minuten unentschieden stand. Ein Unentschieden, das sich der FCN mit viel defensivem Können und viel offensivem Glück erarbeitet hatte.

Das offensive Glück bestand daraus, dass der Club ohne Torschuss in Führung ging und ohne nennenswerte Offensivaktionen mit einem Auswärtstor ins Rückspiel gehen kann. Russ‘ unglückliches Eigentor nach Kerks Freistoß verschaffte dem FCN eine gute Ausgangsposition. Mehr aber geschah offensiv über 90 Minuten kaum. Ein leichtfertig verspielter Konter, ein Torschuss, ansonsten fand der Club in der Offensive nicht statt. Dies war sicherlich zum Teil dem Matchplan René Weilers geschuldet, zum anderen aber auch der Tatsache, dass der Club die Konter nicht präzise genug ausspielte.

Wäre dies geschehen, der Matchplan wäre wohl zur Perfektion aufgegangen. Denn die Idee, die Weiler hatte, war klar ersichtlich. Die Eintracht sollte das Spiel machen, was sie nicht kann, und der Club mit Nadelstichen zum Erfolg kommen – was er nicht konnte. Stattdessen schnürten die Gastgeber den Club über weite Strecken des Spiels im eigenen Strafraum ein – die Ballbesitzquote von zwei Dritteln für die Eintracht ist nur eines der Symptome dieser Spielweise. Was den Hessen allerdings fehlte, war ein Plan wie man die Dominanz in Torchancen umwandeln könnte. So schoss die Eintracht zwar oft aufs Tor, gefährlich wurde es aber nur selten.

Noch seltener, nämlich nur einmal, rutschte der Ball tatsächlich sogar ins Nürnberger Tor und auch dies war eher ein Zufallsprodukt, denn eine gezielte Angriffsaktion. Natürlich war Gacinovic‘ Treffer nicht unverdient. Die Eintracht war die aktivere und gefährlichere Mannschaft, während der FCN sich zu sehr aufs passive Reagieren verlegte. Dennoch machte die defensive Leistung des FCN Mut, denn sie verteidigten viele Angriffe der SGE geschickt und brachten die Eintracht oft dazu eher überhastet als überlegt den Abschluss zu suchen. Eine Abwehrleistung, die durchaus Hoffnung für das Rückspiel am Montag macht.

Ein Rückspiel, bei dem wirklich alles offen ist. Die beiden letzten Zweitligisten, die mit einem Remis aus dem Relegationshinspiel gingen, konnten nicht aufsteigen. Der FCN möchte dies vor eigener Kulisse natürlich besser machen. Um es besser zu machen, benötigt der Club auf jeden Fall eine Steigerung in der Offensive. Ein Tor sollte es mindestens sein, um sich nicht wieder völlig auf die Defensive verlassen zu müssen. Ein Blick in die Statistik macht ein wenig Mut: Seit März 2015 hat der FCN in der Liga nur einmal zu Hause nicht getroffen, im November gegen den KSC. Das Spiel endete 0:0. Das würde am Montag ja auch reichen.