So wie es für jeden einzelnen Menschen Mitmenschen gibt, gegen die er kein Gegenmittel findet und hilflos ist, so gilt Selbiges auch für Fußballmannschaften. Gewisse Konstellationen und Fähigkeiten bereiten einzelnen Mannschaften einfach extreme Probleme. Eintracht Braunschweig erwies sich mit ihrer Schnelligkeit und ihren starken Zuspielen von außen gewissermaßen als das Kryptonit des 1. FC Nürnberg. Die 3:1-Niederlage war dementsprechend eine logische Konsequenz der Eigenschaften der beiden Mannschaften. Hier der kampfstarke, aber technisch nicht überdurchschnittlich gesegnete Tabellendritte, dort der temporeiche, technisch versierte Tabellenzehnte. Zwar war das Ergebnis dennoch nicht zwangsläufig, es lässt sich aber mit Hilfe dieser Parameter gut erklären.

Denn bis zum 1:0 kurz vor der Pause hatte der FCN ein ordentliches, wenn auch kein überragendes Zweitligaspiel bestritten. Er hatte durch Rurik Gislason zwei gute Gelegenheiten in Führung zu gehen und war mit laufender Spieldauer immer besser ins Spiel gekommen, auch weil die Braunschweiger es nur zu Beginn schafften, gefährlich über die Außen zu kommen. Auch sie hatten in den vergangenen Spielen aufgepasst und Laszlo Sepsis Kopfballschwäche als Problem ausgemacht, so dass sie versuchten die Flanken von links auf den langen Pfosten zu bringen. Dies gelang ihnen allerdings nur selten.

Was ihnen in der 43. Minute allerdings gelang, war ihr enormes Tempo auszuspielen. Der Club, gerade in der Defensive eine Mannschaft, der es an Tempo fehlt, bekam nach einem verkorksten Einwurf keinen Zugriff auf Holtmann, der die gesamte rechte Abwehrseite entlang sprinten konnte, dabei Leibold entkam und Hovland ins Leere laufen ließ. An der Grundlinie angekommen passte der 21-Jährige nach innen, wo Khelifi problemlos einnetzen konnte. Auch wenn zur Halbzeit ein Remis noch verdienter gewesen wäre, so stellte sich Braunschweig nach der Pause an, diesen Eindruck zu revidieren.

Der FCN half allerdings auch tatkräftig mit, indem er die Konter der Gastgeber mit leichten Fehlpässen im Spielaufbau begünstigte. So fabrizierten Margreitter und Kerk in der 59. Minute einen solchen Fehlersalat, dass Braunschweigs daraus sich ergebender Konter zum 2:0 führte. Wie beim 1:0 sah auch bei diesem Tor Even Hovland nicht gut aus, als er, nachdem Patrick Rakovsky, die abgefälschte Flanke gerade noch aus dem Tor raushalten konnte, nicht schnell genug reagierte und Reichel so den Torschuss ermöglichte. Vor dem 3:0 patzte dann mit Georg Margreitter auch der andere Innenverteidiger, als er sich von Orhan Ademi mit einfacher Körpertäuschung ausspielen ließ. Erneut kam die Flanke von rechts, erneut fand sie in der Mitte einen Abnehmer, der nur noch einschieben brauchte.

Da half auch Guido Burgstallers schön heraus gespielter Ehrentreffer nichts, die Braunschweiger hatten dem FCN schnell seine Grenzen aufgezeigt. Das kann durchaus ein heilsamer Schock sein, da nun noch einmal der Finger in die Wunde gelegt werden kann, die im Defensivspiel des FCN klafft. Diese war auch in Karlsruhe und gegen Berlin schon aufgetreten, gerade nach letzterem Spiel aber auf Grund des Feuerwerks in der Zweiten Halbzeit kaum thematisiert worden. Der Club ist anfällig, wenn der Gegner mit Tempo kommt und dabei bis auf die Grundlinie vorstößt.

Das ist nun allein keine welterschütternde Erkenntnis, viele Teams lassen sich so ausspielen. Da aber auf Grund der Fähigkeiten der Spieler und der Notwendigkeiten des Verschiebeverhaltens hier besonders oft Ungleichgewichte (oder neudeutsch: Mismatches) entstehen, ist es für den FCN besonders eklatant. Laszlo Sepsi ist auf der Außenbahn ein ordentlicher Verteidiger, sobald er nach innen rücken muss, ist er allerdings überfordert. Dies lässt sich entweder durch eine personelle Änderung (Leibold? Hovland?) verbessern oder aber dadurch, dass das Spiel nach vorne so optimiert wird, dass Situationen, in denen die Schwächen offenbar werden, vermieden werden. Sonst droht auch in der Relegation ein Gegner, der Kryptonit findet.