| Do it like Uruguay! – Eine kleine Saisonvorschau |
| Geschrieben von: Andreas Fröber |
| Sonntag, den 31. Juli 2011 um 16:06 Uhr |
|
Uruguay? Was berechtigt ausgerechnet dieses zwischen den beiden südamerikanischen Fußballgiganten gelegene Land den exponierten Platz in der Überschrift für eine Saisonvorschau des Glubbs einzunehmen? Nun ja, auf den ersten Blick mag es wenige Gemeinsamkeiten geben. Beschäftigt man sich jedoch etwas näher mit den Erfolgen bzw. vor allem auch den Misserfolgen des Glubbs und der „La Celeste“ so fällt auf, dass man Uruguay auch als den Glubb der Nationalmannschaften bezeichnen könnte (ob man diesen Gedanken allerdings auch in Uruguay so schon verfolgt hatte, darf an dieser Stelle durchaus mal angezweifelt werden).
Gerade die Periode der 20er und 30er Jahre des 20. Jahrhunderts ist bis heute die erfolgreichste Phase beider dem runden Leder hinterherjagenden Teams. Während Uruguay mit seiner Wundermannschaft die olympischen Fußballturniere 1924 und 1928 und die Fußball-Weltmeisterschaft 1930 im eigenen Land zu seinen Gunsten entscheiden konnte, holte der Glubb in dieser Zeit 6 seiner 9 Meistertitel und erlangte 2 der insgesamt 4 Pokaltriumphe. Die folgenden Jahre verliefen für Beide mit Ausreißern nach oben (Uruguay: WM-Gewinn 1950 - Glubb: Meisterschaften 1948, 1961, 1968; Pokalsieg 1962) relativ ruhig. Uruguay sollte bis 2011 keinen wichtigen Titel mehr erlangen und sich des Öfteren für anstehende Weltmeisterschaften nicht einmal qualifizieren. Die Misserfolge des Ruhmreichen werden den meisten Lesern wohl leider noch allzugut im Gedächtnis sein und müssen alleine auf Grund dessen, dass eine Aufzählung den Artikel sprengen würde, nicht unbedingt genannt werden. Jedoch geht es seit einiger Zeit sowohl mit Uruguay als auch dem Vizerekordmeisters Deutschlands sportlich bergauf. Wurde der 4. Platz der Südamerikaner bei der Weltmeisterschaft in Südafrika noch mehr oder weniger als Zufall angesehen, so kommt man nach dem Gewinn der Copa Sudamericana 2011 nicht mehr darum rum einen sportlichen Aufwärtstrend der Urus feststellen zu können. Sieht man einmal vom Abstieg 2008 ab (der bis heute aufgrund der wirklich starken Mannschaft unerklärlich scheint), so ist beim Glubb seit 2005 ein ganz klarer Aufwärtstrend festzustellen, der mit dem Pokalsieg 2007 seinen bis dato feststehenden Höhepunkt fand. Jedoch ist auch die sportliche Entwicklung des Ruhmreichen seit dem Aufstieg durchaus zufriedenstellend und weißt weiterhin eine klare Aufwärtstendenz auf. Während der Glubb mit dem Pokaltriumph 2007 also was Titel betrifft vorlegte, so zogen die Südamerikaner dieses Jahr nach. Dementsprechend sollte es nun also wieder an uns sein, den nächsten Titel folgen zu lassen. Vielleicht schon in der kommenden Saison?
Sportliche Saisonvorschau: Es ist wohl kein Geheimnis, dass sich der Kader des Glubbs im Vergleich zur letzten Saison auf einigen Positionen enorm verändert hat. Aus diesem Grund wird dem Verein von vielen, vor allem selbsternannten, Experten eine schwierige Saison mit Tendenz Abstieg/Abstiegskampf bescheinigt. Wirft man jedoch mal einen etwas genaueren Blick auf die Abgänge so kann man feststellen, dass gerade der in vorherigen Saison am besten funktionierende Mannschaftsteil, die Abwehr, kaum verändert wurde. Lediglich den Abgang des Mannschaftskapitäns, Andi Wolf, gilt es zu beklagen. Allerdings darf man durchaus in Frage stellen, ob der Abgang Wolfs eine sportliche Schwächung darstellt. Andi Wolf ist ein solider Verteidiger, der allerdings im Spielaufbau große Defizite aufzuweisen hat. An seiner Stelle wurde mit Tim Klose ein Schweizer U21 Nationalspieler verpflichtet, der bei der letzten U 21 EM wohl nicht ganz zu Unrecht in das Team des Turniers gewählt wurde. Aus menschlicher Sicht ist der Abgang Wolfs jedoch absolut zu bedauern. Wolf war neben Mintal (der den Verein bekanntermaßen ebenso verlassen musste) und Javier Pinola eine der Identifikationsfiguren des Vereins. Die ganze Geschichte um die Nichtverlängerung von Wolfs Vertrag war mit Sicherheit für beide Seiten kein Ruhmesblatt! Im Großen und Ganzen kann man jedoch durchaus zuversichtlich sein, dass die Abwehr mit Pinola, Wollscheid, Klose (oder Nilsson) und Chandler zur absoluten Premiumklasse der Bundesliga gehören sollte. Im Mittelfeld gibt es sicherlich die größten Veränderungen zu verzeichnen. Während Memet Ekici nur von Bayern München ausgeliehen war, verkaufte man Ilkay Gündogan, dessen Vertrag noch für eine weitere Spielzeit Gültigkeit besessen hätte, an den deutschen Meister aus Dortmund. So paradox es sich zunächst anhören wird, aber der Verlust Gündogans sollte nicht besonders schwerwiegend sein. Es steht außer Frage, dass Gündogan ein wirklich großes Talent ist, jedoch fiel er in der besonders erfolgreichen Phase der letztjährigen Rückrunde verletzungsbedingt aus und konnte nach seinem Comeback nie wirklich überzeugen. Bei Ekici stellt sich der Verlust dagegen als wesentlich schwieriger zu kompensieren dar, da er gerade mit seinen hervorragenden Standarts, bis dahin nicht unbedingt ein Steckenpferd des Glubbs , einen nicht zu unterschätzenden Teil zur erfolgreich verlaufenden Saison 2010/11 beitragen konnte. Jedoch konnte man mit Markus Feulner, der in Dortmund allerdings kaum zum Zuge kam und Daniel Didavi vom VFB Stuttgart Nachfolger für die vakanten Positionen nach Nürnberg transferieren. Markus Feulner, der aufgrund seiner fußballerischen Vita durchaus gewisse Querverbindungen zu Markus Broich aufzeigt, konnte jedoch mit 3 blitzsauberen Toren beim gestrigen Pokalspiel in Bielefeld die Skeptiker zunächst einmal ruhig stellen. Jedenfalls lässt sein Auftritt, auch aufgrund des direkt verwandelten Freistoßes, hoffen einen würdigen Nachfolger für Ekici gefunden zu haben. Im Sturm war es an der sportlichen Leitung den Abgang Julian Schiebers, der zum VFB Stuttgart zurückkehren musste, zu ersetzen. Schieber, der sich aufgrund seiner tollen Leistungen und seiner immer kämpferischen Einstellung in das Herz der fränkischen Fußballanhänger spielen konnte, mit den finanziell limitierten Mitteln des Vereins gleichwertig zu ersetzen glich einer Herkules-Aufgabe. Mit Tomáš Pekhart, der in der letzten Halbserie für Sparta Praha die Fußballschuhe schnürte, wurde ein Stürmer verpflichtet, der wie bereits in Bielefeld angedeutet eine komplett andere Spielweise als Schieber an den Tag legt. Es erscheint nicht ganz unwahrscheinlich, dass man in der kommenden Saison deshalb vermehrt mit Flanken operieren wird, um den baumlangen Stürmer in Position zu bringen. Insgesamt ist es sehr erfreulich, dass trotz der Abgänge die Konkurrenzsituation im Kader weiter vergrößert werden konnte. Es ist sicherlich kein Nachteil, dass man mit Esswein und Mak mit 2 pfeilschnellen und technisch beschlagenen Außenstürmern operieren wird können. Die sportliche Zielsetzung muss zunächst einmal lauten mit dem Abstiegskampf so wenig wie möglich zu tun zu haben. Was nach Vorne geht, wird sich im Lauf der Saison zeigen. Wichtig wird sein, dass man wie in der vergangenen Saison aus einer stabilen Defensive heraus agieren kann. Sollte dann der Offensivverbund noch einigermaßen funktionieren, so scheint vieles möglich zu sein. Für die kommende Saison scheinen lediglich die ersten 3 Plätze mit Dortmund, Bayern und Leverkusen vergeben zu sein, dahinter ist nahezu alles offen. Allerdings gilt dies auch für die hinteren Tabellenplätze. Eines wird sich wohl jeder Rot-Schwarze wünschen: ENDLICH wieder einen Auswärtssieg bei den roten Münchnern. Jahr für Jahr fährt man in die neue Arena im Münchner Norden, bzw. früher ins Olympiastadion und lässt die Punkte, bis auf wenige Unentschieden, bei den ungebliebten Münchnern. Den letzten Auswärtssieg dürfte der Großteil der heutigen Stadiongänger nicht aktiv erlebt haben. Es wird Zeit!
Saisonvorschau aus Fansicht: Wie schon in den letzten Jahren bewegen die deutschen Fußballfans immer noch die gleichen Probleme und Themen: Schlechtes Verhältnis zur Polizei, Stadionverbote und Pyrotechnik. Das Verhältnis Fanszenen – Polizei ist seit Jahren belastet, das sollte kein Geheimnis sein. Fairerweise muss man im Nachhinein durchaus sagen, dass beide Seiten mehr oder weniger dazu beigetragen haben. In vielen Fanszenen hat das Thema Gewalt betreffend zum Glück ein Umdenken eingesetzt. Gab man der Polizei doch in vorangegangenen Jahren durch sinnlose Aktionen oftmals Grund einzugreifen (das dies dann teilweise mit unangemessenen Mitteln vonstatten ging, steht wiederum auf einem anderen Blatt), so scheinen die deutschen Fanszenen erwachsener geworden zu sein. Es ist wohl nicht falsch zu behaupten, dass der Fokus vor allem auf Vereinsarbeit und Support im Stadion in all seinen Facetten, gelegt werden sollte. Zwar wird das Thema Gewalt beim Fußball immer eine Rolle spielen, jedoch ist es an den einzelnen Fanszenen zu reflektieren inwieweit man bereit ist, dadurch Stadionverbote (der Sinn bzw. Unsinn von Stadionverboten wäre dann wieder eine eigene Diskussion) und weitere Konsequenzen zu riskieren. Das Thema Pyrotechnik ist gerade in Nürnberg seit dem Unfall in Bochum immer noch aktuell und man hatte lange Zeit darüber zu reflektieren, was damals schief gelaufen war. Man könnte es sich einfach machen und behaupten, dass es bei einer Legalisierung von Pyrotechnik nicht zu den schlimmen Verletzungen einiger Fußballfans gekommen wäre (im Kern mag das durchaus auch zutreffend sein), jedoch gab man dem DFB und der Polizei unfreiwillig Argumente, welche die Gefährlichkeit von Pyrotechnik im Stadion untermauerten. Die im letzten Jahr gegründete Initiative deutscher Fanszenen (die von nahezu allen wichtigen Szenen unterstützt wird) konnte zumindest die Gesprächsbereitschaft des DFB erreichen und es gibt wohl durchaus erste Signale, dass man in einer nicht näher zu definierenden Zukunft zu einer gemeinsamen Lösung kommen könnte. Umso wichtiger wird es also sein, dass beide Seiten Bereitschaft zeigen, die jeweiligen Argumente des Gegenübers zu akzeptieren und an einem Kompromiss zu arbeiten. Das dies nicht einfach wird, ist klar. Jedoch sollte auch dieses Problem lösbar sein! |

